Ölpreise – aktuelle Entwicklung:
Nach dem kurzen Hoch im Januar sind die Ölpreise (Brent-Rohöl) bis Anfang März auf unter 70 $/b gefallen. Seither erholten sie sich in kleinen Schritten und stehen aktuell bei 73 $/b. Schon seit Januar liegt das Preisniveau deutlich unter dem Vorjahr (vgl. erster Chart unten).
Im langjährigen Vergleich (vgl. zweiter Chart unten) sind die Preise derzeit auf einem niedrigen Niveau. Nur während der Ölpreiskrisen 2015/2016 (Schieferölschwemme) und 2020/2021 (Corona-Pandemie) war Öl deutlich billiger. (2020-2022)
Globale Ölnachfrage
Die Nachfrageprognosen waren zuletzt stabil. Die US-Wirtschaft scheint auf eine Rezession zuzusteuern; andererseits könnten die Ausgabenprogramme in der EU (v.a. Deutschland) und in China die Ölnachfrage stabilisieren.
Raffineriemargen (NWE):
Die Margen der Raffinerien in Nordwesteuropa sind auf einem eher niedrigen Niveau. Die Gasoil-Margen waren zuletzt stabil, während sich die Benzinmargen von einem Tief Anfang März etwas erholen konnten.
Globales Ölangebot:
Das weltweite Angebot an Rohöl ist mehr als ausreichend. Neue Ölanbieter und immer noch leicht steigende Ölmengen aus den USA entspannen die Situation.
OPEC+ Kartell:
Trotz des hohen Ölangebots will die OPEC+ (alte OPEC plus Russland, Kasachstan u.a.) ab April ihre Förderkürzungen in kleinen Schritten zurücknehmen. Auch im Mai soll das Angebot steigen.
Russische Ölexporte:
Nach einem Rückgang im Februar (Biden-Sanktionen) sind die russischen Ölexporte wieder auf einem hohen Niveau, das allerdings unter den Höchstwerten des letzten Jahres bleibt.
Die Schäden an mehreren russischen Raffinerien durch ukrainische Drohnenangriffe stören v.a. den Binnenmarkt und die militärische Logistik, aber (noch) nicht die russischen Rohölexporte.
US-Sanktionen gegen Venezuela und Iran:
Im Moment sorgen vor allem die neuen indirekten US-Sanktionen gegen Venezuela für Unruhe. Washington will alle Abnehmer von venezolanischem Öl mit allgemeinen Zöllen von 25 Prozent belegen. Chinesische Großkunden, die wichtigsten Kunden für Caracas, zögern im Moment. Das wird das globale Ölangebot in den nächsten Wochen um ca. 0,5 Prozent verringern.
Die USA wollen auch die iranischen Ölexporte zum Erliegen bringen. Allerdings scheint es dafür noch kein Konzept zu geben. Mögliche Ausfälle will das OPEC+ Kartell auffangen.
Technische Angebotsstörungen:
Es gibt im Moment keine größeren technischen Störungen.
Ölpreis-Spekulation (CFTC/ICE):
Die Wettlust der Hedgefonds bzw. CAs an den Ölbörsen ist gering. Das gilt gleichermaßen für Wetten auf steigende wie auf fallende Ölpreise. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Cash-Bestände hoch sind und der nächste Preisausbruch schnell und heftig ausfallen könnte.
Nur im Optionsmarkt tut sich seit kurzem einiges. Hier sichern sich Ölhändler gegen die Risiken der neuen US-Sanktionen ab.
Fazit: Ölpreisausblick
Im Moment spricht viel für weiterhin stabile Ölpreise ohne große Bewegungen nach oben oder unten.


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