Öl und Verkehr: Basisdaten aus der neuen Global Energy Review der IEA

Die Internationale Energieagentur (IEA 🔗) veröffentlichte heute ihre GLOBAL ENERGY REVIEW. Sie liefert auf wenigen Seiten einen ersten Überblick über die Entwicklung der Energiemärkte und der CO2-Emissionen im Jahr 2024.

Globale Trends

Die Eckdaten für das Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr sind:

  • Wirtschaftswachstum: +3,2 %
  • CO2-Emissionen (nur Energiesektor): +0,8 % 

Die Emissionen sind damit auf einem Allzeithoch von 37,8 Gt CO2. Das ging zum Teil auf das Konto der rekordhohen Temperaturen im letzten Jahr (v.a. Stromverbrauch für Klimaanlagen). Ohne den Temperaturanstieg gegenüber 2023 wäre der CO2-Anstieg nur etwa halb so stark ausgefallen.

  • Energieverbrauch insgesamt: +2.2 % (i.Vgl. zu 2023)
  • Ölverbrauch +0,8 %
  • Gasverbrauch +2,7 %
  • Kohleverbrauch +1,0 %

Fazit Nr.1: Bisher können die rasch wachsenden Renewables den Trend zu immer höheren fossilen Emissionen nicht stoppen.


Öl und Verkehr

Die Ölnachfrage 🔗 stieg im letzten Jahr um 0,8 Prozent bzw. +830.000 b/d (Barrel pro Tag). Der Anteil des Öls im globalen Energiemix fiel damit zum ersten Mal unter 30 Prozent. In den 1970er Jahren lag er noch bei knapp 50 Prozent.

Der Rebound im Verkehr nach der Pandemie lief 2024 aus. Der globale Ölverbrauch im Straßenverkehr fiel sogar leicht, vor allem in China (-1,8 Prozent) und in den Industrieländern (-0,3 Prozent). 

Dafür stieg er im Luftverkehr 🔗 und auch in der Petrochemie kräftig an, auf die jeweils etwa die Hälfte des Mehrverbrauchs entfielen (gemessen am Energiegehalt).

Die folgende Abbildung zeigt die Anteile der Verbrauchsektoren am wachsenden Ölverbrauch seit dem Jahr 2021. 

Indien schiebt sich inzwischen immer stärker an die erste Stelle als Wachstumsregion für den Ölverbrauch. Die Automobilisierung nimmt dort rasant zu. Der Benzinverbrauch stieg in den letzten fünf Jahren (2019-2024) um enorme 41,7% (+310.000 b/d) an.

Biokraftstoffe, LNG und Elektroautos

Fossile Ölprodukte dominieren zwar nach wie vor im Verkehr, aber andere Fuels können ihre Marktanteile ausbauen.

  • Biokraftstoffe (Liquids) legten 2024 leicht um 0,2 EJ zu und stellen jetzt knapp über 4 Prozent der Kraftstoffe für den Verkehr bereit. Zuwächse gab es hier vor allem in Brasilien, aber auch in Indien, Indonesien und in den USA.
  • Erdgas (LNG) als Kraftstoff verzeichnet vor allem in China einen sprunghaften Anstieg im LKW-Markt. 
  • Gleichzeitig setzt sich LNG weltweit im Seeverkehr immer stärker durch 🔗 .

Ebenso wächst die Zahl der Elektroautos. Im letzten Jahr kletterten die Neuzulassungen weltweit um 25 Prozent auf über 17 Mio. Neufahrzeuge 🔗 . Das entspricht einem Marktanteil von 20 Prozent im Pkw-Markt.

Öl und Emissionen

Obwohl der Ölverbrauch um 0,8 Prozent stieg, legten die dadurch verursachten CO2-Emissionen nur um 0,3 Prozent zu. Die Lücke erklärt sich durch den hohen Anteil von petrochemischen Feedstocks, die (zunächst) nicht verbrannt werden, sondern als Plastik und viele andere Produkte auf dem Markt landen.

Ganz anders der Trend im zweiten Wachstumsträger, dem Luftverkehr. Hier stiegen die Emissionen im letzten Jahr um 5,5 Prozent.

Die IEA schätzt, dass Elektroautos die CO2-Emissionen weltweit von 2019 bis 2024 kumuliert lediglich um 80 Mio. Tonnen reduziert haben.

Das ist nur ein Bruchteil der Mengen die z.B. im Strommarkt durch den raschen Ausbau der Photovoltaik vermieden wurden (1.400 Mio.t). Die 80 Mio.t CO2 entsprechen lediglich 0,04 Prozent der globalen fossilen Emissionen in diesem Zeitraum.

Die Autoren führen das nicht näher aus, aber der hohe Anteil von Kohle im chinesischen Strommix wird sicherlich dazu beigetragen haben, dass die Nettoeinsparung durch Elektroautos bislang so bescheiden ausfällt.

Fazit Nr.2: Der fossile Ölverbrauch im Straßenverkehr stagniert. Er wächst jedoch im Luftverkehr und im Seeverkehr. Die aktuelle Verlagerung Richtung LNG und Biokraftstoffe (1. Gen.) verspricht nur geringe Emissionsvorteile. Der Beitrag der Elektroautos zum Klimaschutz ist noch immer sehr gering.

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